Konsequenzen für das praktische Leben

Nützt es uns etwas, wenn wir etwas wissen über das Jenseits und das Leben nach dem Tod? Nein, direkt kaufen können wir uns nichts davon. Wir können mit dem Jenseits und den Lebewesen dort normalerweise nicht kommunizieren, können nicht über unseren Tod hinaus blicken. Wir leben im diesseitigen „hier und jetzt“ mit den entsprechenden Bedingungen und Zwängen. Aber es gibt da zahlreiche andere Aspekte. Diejenigen, die persönlich ein solches Nahtoderlebnis hatten, wurden meist tief geprägt davon. Sie haben eine bis in die tiefsten Wurzeln der Seele reichende Liebe und Geborgenheit erlebt, die wir uns hier in dieser Welt gar nicht vorstellen können. Es hat ihnen Lebensmut und einen Sinn im Leben gegeben.

Aber ein Stück von dieser Erfahrung können auch wir anderen Menschen, die wir kein Nahtoderlebnis gehabt haben, bekommen, in dem wir uns mit den Erlebnissen der anderen beschäftigen und indem wir von der Liebe lesen, die sie erfahren haben. Kenneth Ring spricht von einem „gutartigen Virus“, der alle erfasst, die sich ernsthaft damit beschäftigen und offen dafür sind (K. Ring „Im Angesicht des Lichtes“).

Selbstbewusstsein

Als soziale Wesen definieren die meisten Menschen ihr Selbstbewusstsein über die Anerkennung durch andere Menschen, seien es Freunde, Familienangehörige oder Berufskollegen. Bekommt man diese Anerkennung nicht, dann sinkt automatisch das Selbstbewusstsein. Die Nahtoderfahrung lässt eine neue Art von Selbstbewusstsein aufkommen, durch bedingungsloses geliebt-werden. Die Mitmenschen sind wichtig, weil wir alle miteinander verbunden sind, nicht, weil sie unser Selbstbewusstsein stützen müssen. Wir sind alleine dadurch, dass wir ein Wesen mit einer unsterbliche Seele sind, etwas wert, ungeheuer viel wert. Da diese Seele unsterblich ist, kann uns niemand diesen Wert nehmen.

Sinn des Lebens

In der monistisch-materialistischen Sichtweise definieren viele den Sinn ihres Lebens aus den sichtbaren Erfolgen in Familie (Anzahl der Kinder, eigenes Haus?), Beruf (Karriere, soziale Stellung), in einem Hobby (wie viel Berge hast du gezwungen, wie viele Marathons bist du gelaufen?) oder auch sonst im Privatleben (wie viele Freunde hast du, wie viele Menschen schätzen deine Gesellschaft?). Denn in dieser Sichtweise ist das Leben mit dem Zeitpunkt des Todes aus und vorbei. Für die Römer war es erstrebenswert, Ruhm zu erlangen, der über den Tod hinausreicht, um auf diese Weise ein wenig „ewiges Leben“ zu gewinnen. Hier gibt es aber ein kleines Problem: von uns 7 Milliarden Menschen kann einfach nicht jeder weltberühmt werden!

Im Lichte des Jenseits ist jedoch jeder Mensch gleichermassen daseinsberechtigt und gleichermassen geliebt. Unser Leben ist eine Aufgabe innerhalb einer schon lange währenden persönlichen Geschichte. Selbst ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben kann einfach den Sinn haben, seine eigene Liebe an wenige Menschen weiterzugeben. Wir wissen, dass unser Leben nach dem Tod weitergeht, nicht in derselben Welt, nicht mit demselben Körper, nicht mit denselben Sinnesorganen, aber mit demselben Ich-Bewusstsein. Wir nehmen unsere Erinnerungen und unser Wissen mit, vor allem aber auch Liebesfähigkeit, Empathie, „soziale Kompetenz“, und werden diese weiterentwickeln.

Das Miteinander verschiedener Religionen

Die Nahtoderfahrungen lehren uns, dass vieles im Jenseits ganz anders aussieht als es uns in der jeweiligen religiösen Überlieferung gelehrt wird. Das lehrt uns Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Religionen und Meinungen.

Keine Verurteilung der anderen

Ein sehr wichtiges Element der Nahtoderfahrung ist der Lebensrückblick. Keiner wird verdammt, keiner wird in die Hölle geworfen. Jeder Mensch hat die Chance, aus einer höheren Warte über sich selbst zu urteilen und vielleicht auch die Konsequenzen daraus zu ziehen. Das nimmt uns die allzu menschliche Tendenz, andere Menschen wegen ihrer Taten oder wegen ihrer Andersartigkeit zu verurteilen.

Verantwortung für sich selbst

Für mich ist es ein wichtiger Gedanke, dass ich einmal in einem Lebensrückblick alles sehen werde, wie ich auf andere Menschen gewirkt habe. Das kann sehr frustrierend sein! Wir stolpern hier schon über den kleinsten schlechten Gedanken, den wir gehabt haben, und über die kleinste negative Wirkung, die wir bei anderen erzeugt haben. Hier hat keiner die Chance, sich etwas vorzumachen. Hieraus erwächst eine grosse Verantwortung für uns selbst, für das was wir tun, für das, wie wir wirken.

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